Lilly among clouds • Green Flash Tour

lilly among clouds kann Pop-Balladen am Klavier schreiben: majestätisch groß, aber immer ohne  Kitsch. Und es kostet sie nicht einmal ernsthafte Mühe. Lilly, die mit vollem Namen Elisabeth  Brüchner heißt und bei Würzburg lebt, hätte es für ihr zweites Album „Green Flash“ entsprechend  leicht haben können. Aber leicht wollte sie es nicht: „Mein großer Wunsch für die neue Platte war,  noch weiter weg von den Balladen zu kommen. Minimum die Hälfte sollten Upbeat- oder  zumindest groovige Nummern sein. Ich liebe diese Mischung bei Konzerten, ich liebe Rhythmus.  So haben wir im Studio z.B. beim Song „Wasting My Time“ zu Beginn als erstes das Klavier  zugeklappt und das Lied dann nur anhand der Basslinie aufgebaut. Das hat soviel Spaß  gemacht, dass ich unbedingt mehr davon wollte.“   

„Wir“ das sind Lilly und Udo Rinklin (u.a. Produzent des #1-Albums „Bleib unterwegs“ von Laith  Al-Deen), der auch schon das lilly among clouds Debüt „Aerial Perspective“ produzierte, mit  welchem Lilly jetzt knapp zwei Jahre von Viechtach bis Sydney und von Wuppertal bis Austin live  unterwegs war. „Weniger voll, aber genauso groß“ war die klangliche Marschroute für den  Nachfolger, als man begann sich erste Arrangement-Ideen hin und her zu schicken. Und das  haben die beiden wirklich vorzüglich hinbekommen.  

Denn auch „Green Flash“ ist wieder gespickt mit Pop-Ohrwürmern internationaler  Klasse und  wie schon bei „Aerial Perspective“ ist es diese unglaubliche, tief ins Hörer-Herz treffende Stimme,  dieses sonore Alt mit filigranem Vibrato, das wie eine rote, mächtige Sonne über Lillys so  eigener, ein bisschen schüchterner Melancholie schwebt.   

Die verwendeten Sounds hingegen sind vielschichtiger und neu: „Girl like Me“ überrascht mit  einem fluffigen The Stranglers-Spinett, bei „Love U 4ever“ schlägt die Neue Deutsche Welle  durch. „Boys“ ist fast schon klassischer RnB, während „Silent“ sich eher laid back für den  Chillout-Floor im Elektroclub empfiehlt, falls es so etwas heute überhaupt noch gibt. „Surprise“  führte Lilly kürzlich sogar ins deutsche Finale des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest,  wo sie inmitten eines Starterfeldes aus ehemaligen Castingshow-KandidatInnen vielgelobte Dritte wurde.

Aber keine Bange: das Klavier, das wird Fans der älteren Aufnahmen beruhigen, lässt Lilly  natürlich auch auf diesem Album nicht gänzlich aus den Augen. Entstehen hier doch nach wie  vor die meisten ihrer Lieder, als kleine Soundtracks zu Lillys Grübeleien über das oftmals  verwirrende menschliche Miteinander: „Ich beobachte gerne Menschen, analysiere mich oder  deren Verhalten und liebe es zu überlegen, warum Menschen was, wie, warum machen.  Weshalb sind Menschen egoistisch? Welche Ängste treiben sie an? Unsere Psyche ist schon  sehr faszinierend, damit beschäftige ich mich gerne in meinen Texten. Vielleicht versuche ich  damit aber auch nur ein bisschen, diesen ganzen Wahnsinn besser zu verstehen, wer weiß?“  
Sicher ist, dass lilly among clouds mit „Green Flash“ einen neuen großen Schritt getan hat. Lillys  Neugier auf Musik, ihre eigenen Songs und deren teilweise noch ungeahnten Möglichkeiten ist  dank „Green Flash“ stärker denn je. Spannend, wo das alles noch hinführen wird. 
 

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